Ein russischer Marineinfanteriesoldat während eines Manövers in Polen im Juni 2003

Ein russischer Marineinfanteriesoldat während eines Manövers in Polen im Juni 2003

Die russischen Streitkräfte sind die bewaffneten Streitkräfte der Russischen Föderation, die aus den Teilstreitkräften Heer, Luftstreitkräfte und Marine sowie den eigenständigen Streitkräften Luftlandetruppen, Strategische Raketentruppen und Weltraumtruppen besteht.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 unterzeichnete am 7. Mai 1992 der Präsident Russlands, Boris Jelzin ein Dekret, das das russische Verteidigungsministerium begründete und alle ehemaligen Sowjetischen Streitkräfte auf dem Territorium der RSFSR unter Kontrolle der Russischen Föderation stellte.

Russland ergänzt seine Armee unter anderem durch ein Wehrpflichtsystem, unterhält Militärbasen im Ausland und das derzeit weltweit größte Kernwaffenarsenal.

Gründung

Infolge der Unabhängigkeiterklärungen verschiedener Sowjetrepubliken im Laufe des Jahres 1991 wurde vom 21. bis zum 25. Dezember 1991 die UdSSR offiziell aufgelöst. Die gesamte Struktur der sowjetischen Streitkräfte bis hin zur Zusammensetzung der einzelnen Truppen wurde zunächst nicht nach den neuen nationalen Kriterien getrennt. So unterstanden die Streitkräfte anfangs der Kontrolle durch die Militärbefehlshaber der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Damit übernahm sie vorerst auch das sowjetische Rüstungspotential.

Siegesflagge – Offizielle Flagge der Russischen Armee

Im Mai 1992 schuf Russland jedoch seine eigene Militärstruktur. Dies geschah als Antwort auf die Bildung eigener Armeen in verschiedenen GUS-Staaten, im Besonderen der Ukraine. Das militärische Kommando der GUS blieb noch für ein weiteres Jahr aktiv, obwohl seine Macht schon stark eingeschränkt war. Im Juni 1993 wurde es abgeschafft, und die meisten seiner Funktionen wurden auf das russische Militärkommando übertragen.

Die russischen Streitkräfte sind damit direkter Nachfolger der Streitkräfte der Sowjetunion.[7] Sie übernahmen das Meiste an Personal, Ausrüstung, Institutionen und Tradition der Sowjetarmee und Seekriegsflotte. Es wurde unter Präsident Wladimir Putin eine abgeänderte Version der Flagge der Sowjetunion – ohne Hammer und Sichel – als Armeeflagge eingeführt. Bemerkenswert ist allerdings, dass gleichzeitig alte kaiserlich-russische Orden (zum Beispiel der Alexander-Newski-Orden und Andreasorden), Paradeuniformen und Militärlehranstalten wiederbelebt wurden. So stellen die heutigen russischen Streitkräfte eine Hybride aus zaristischen wie sowjetischen Traditionsbeständen dar.

Einsätze

Russische Verfassungskrise

Russische Soldaten auf Schützenpanzerwagen BTR-80 im Rahmen des IFOR-Einsatzes, November 1996

Während der Jelzin-Ära von 1992 bis 1999 erlebten die russischen Streitkräfte ihre bislang schwierigste Phase. Im Oktober 1993 wurden im Zuge der russischen Verfassungskrise Teile der russischen Streitkräfte in den Konflikt zwischen Präsident Jelzin und dem Obersten Sowjet hineingezogen. Russland befand sich am Rande eines Bürgerkrieges. Die höheren Kommandoebenen der Sicherheitsdienste und des Militärs unterstützten Jelzin. Soldaten beendeten die Krise gewaltsam, indem sie das Parlamentsgebäude belagerten und beschossen. Um den Preis von fast 200 Toten und mehreren hundert Verletzten brach der bewaffnete Widerstand gegen Jelzin zusammen. Es handelte sich um die schwersten Unruhen in Moskau seit dem Revolutionsjahr 1917.

Aufgrund „bilateraler Vereinbarungen“ verblieben seit 1992 russische Truppenteile in Transnistrien und in Südossetien. In beiden Fällen stützt es die dortigen „stabilisierten De-facto-Regime“.

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