Moskauer Zeitung meldet 1700 russische Soldaten in Tartus

Moskauer Zeitung meldet 1700 russische Soldaten in Tartus

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Hafen von Tartus: Zeitung berichtet von 1700 russischen Soldaten

Neben der Luftwaffenbasis Latakia baut Russland offenbar auch einen Marinestützpunkt in Syrien aus. Medienberichten zufolge weigern sich russische Soldaten, nach Syrien verlegt zu werden.

Der Aufbau russischer Militärstrukturen an der syrischen Küste erfolgt offenbar deutlich schneller als bisher vermutet. Wie die angesehene Moskauer Tageszeitung “Kommersant” berichtet, befinden sich bereits rund 1700 russische Soldaten in Tartus. Das schreibt das Blatt unter Berufung auf einen russischen Militär vor Ort.

 Moskau unterhält seit Langem einen verhältnismäßig kleinen Marinestützpunkt in der syrischen Hafenstadt. Nun wird er erweitert: Russische Spezialisten würden “das Objekt ausbauen und bewachen, den Pier umbauen”, sagte der namentlich nicht genannte Militär der Zeitung.Das Moskauer Verteidigungsministerium wollte den “Kommersant”-Bericht nicht offiziell kommentieren. Ein Ministeriumsvertreter sagte der Zeitung lediglich, es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Modernisierung der Basis in Tartus und “der in Vorbereitung befindlichen militärischen Einmischung”.

Der Kreml hat stets abgestritten, eine Intervention in Syrien zu planen. Am Wochenende teilte Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow gleichwohl mit, man werde einen Einsatz von Bodentruppen erwägen, sofern denn eine entsprechende Bitte von Syriens Präsident Baschar al-Assad vorliege.

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Satellitenfotos: Russland baut Militärpräsenz aus

“Wenn es eine Anfrage gäbe, würde diese natürlich diskutiert und geprüft im Rahmen unserer bilateralen Kontakte”, sagte Peskow. Solange eine solche Bitte nicht erfolgt sei, sei eine Diskussion darüber aber schwierig, schränkte der Regierungssprecher ein. Syriens Außenminister Walid Malloum sagte, die Armee seines Landes sei noch nicht auf russische Unterstützung angewiesen, sie brauche nur mehr Waffen. “Bis jetzt gibt es am Boden keinen gemeinsamen Kampf mit russischen Truppen, aber wenn wir sie brauchen, werden wir das prüfen und darum bitten.”US-Behörden hatten zuletzt immer wieder über einen Aufbau russischer Militär-Infrastruktur nahe Latakia gesprochen. Die Küstenstadt liegt rund 70 Kilometer nördlich von Tartus. Russische Einheiten sollen dort einen Luftwaffenstützpunkt errichten. US-Geheimdienste berichteten von mehreren Hundert Marine-Infanteristen vor Ort, einer russischen Flugleitzentrale, T-90 Panzern sowie schweren Haubitzen.

Russland gilt als der engste Verbündete von Assad und unterstützt dessen Regime trotz westlicher Kritik seit Jahren mit Waffen. So wird Moskau der syrischen Armee bis 2017 zwölf Jagdflugzeuge vom Typ MiG-29M/M2 aus früheren Verträgen liefern. Die ersten neun Kampfjets würden im kommenden Jahr ausgeliefert, drei weitere 2017, berichtet der “Kommersant” unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise.Furcht vor Anklage wegen Landesverrat

Russische Internetaktivisten machten Angehörige russischer Soldaten ausfindig, die offenbar nach Latakia verlegt wurden. Ende vergangener Woche berichtete zudem das russische Nachrichtenportal Gaseta.ru von mehreren russischen Soldaten, die gegen eine Verlegung nach Syrien protestierten. Das genaue Ziel sei ihnen zwar nicht genannt worden. Es habe aber geheißen, dass es “im Zielland heiß, das Klima für uns ungewohnt ist und es dort Schlangen gibt”, sagte einer der Männer den Reportern von Gaseta.ru.

Nach Angaben des Nachrichtenportals haben die Militärbehörden inzwischen Ermittlungen gegen einige der Befehlsverweigerer eingeleitet. Ihr Anwalt Iwan Pawlow fürchtet eine Anklage wegen Landesverrats.

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