Machen wir gerade den Sommer kaputt?

DER SPIEGEL –

­­­­Im Browser lesen­­­­­­­­Coronavirus­­­­Die wichtigsten Entwicklungen und Hintergründe der Woche.­­Freitag, 16. April 2021­­­­­­­­­­Michail HengstenbergRessortleiter Wissenschaft­­­Liebe Leserin, lieber Leser,­­­­­erinnern Sie sich noch, wie das war, vor einem Jahr? In einer beispiellosen Konsequenz beschlossen die Länderchefs angesichts der Corona-Bedrohung einschneidende Maßnahmen. Die Schulen wurden geschlossen, Geschäfte, viele Betriebe, das öffentliche Leben heruntergefahren, Straßen und Bürgersteige waren wie leer gefegt. Es fühlte sich an wie ein Ausnahmezustand und es war auch einer. Abends traten die Menschen auf die Balkone oder an offene Fenster und klatschten für die Menschen, die in diesem Kampf an der vordersten Front standen: Krankenschwestern, Ärzte, Pflegepersonal.Es waren wenige Wochen, aber sie waren einschneidend, in schlechter wie in guter Hinsicht: Die Infektionszahlen sanken genauso steil, wie sie zuvor gestiegen waren. Als Belohnung gab es einen Sommer, in dem man Corona in guten Momenten fast vergessen konnte.Und heute? Haben wir Infektionszahlen, die viermal so hoch sind wie die Spitzenwerte aus dem Frühjahr 2020 – und weiter steigen. Zudem ist die Lage insgesamt bedrohlicher: Damals gab es keine Mutanten, die sich schneller verbreiten und gefährlicher sind. Vor diesem Hintergrund und den Erfahrungen aus dem letzten Jahr wirkt die Debatte über die sogenannte »Bundesnotbremse« ziemlich absurd.Nichts von dem, was dort verhandelt wird, kommt in der Konsequenz an die Maßnahmen vom letzten Jahr heran. Und wer weiß, wie das Regelwerk aussieht, wenn es alle erforderlichen Instanzen passiert hat.Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hat das offensichtlich verstanden. Ihr Bundesland war lange Zeit Corona-Musterschüler, Rostock Vorzeigestadt. Doch in der dritten Welle schießen auch in Mecklenburg-Vorpommern landesweit alle Kennzahlen nach oben, schon heute berät das Parlament über einen harten Lockdown, der ab Montag gelten soll.»Das Bundesgesetz kommt viel zu spät und ist aus meiner Sicht auch nicht ausreichend«, sagte Schwesig im Morgenmagazin der ARD. Am Donnerstagabend hatte sie zusammen mit Landräten, Oberbürgermeistern, der Wirtschaft und Betriebsräten die Maßnahmen auf dem sogenannten MV-Gipfel besprochen. Auf der Pressekonferenz danach sagte Schwesig: »Wenn wir jetzt nicht handeln, wird kein Sommerurlaub in Mecklenburg-Vorpommern möglich sein«.Andere Länderchefs hingegen scheinen es nicht so eilig zu haben. Sie warten lieber auf das Bundesregelwerk, das allerdings schon jetzt seinen Namen nicht verdient. Was wir brauchen, ist eine Vollbremsung, am besten mit einem Bremsweg wie in der Formel 1. Die Wirkung des Gesetzentwurfs in Bezug auf den Pandemieverlauf hingegen ist in etwa so, als würde man bei 200 km/h auf der Autobahn die Tür öffnen, den linken Schuh auf den Asphalt setzen und damit einen Unfall verhindern wollen. Den Sommer rettet man so nicht.­­­­­­Der neue SPIEGEL, jetzt digital, morgen am Kiosk­­»Der Bruderkrieg – Wie sich die Union selbst zerlegt«, lautet der Titel des neuen SPIEGEL. Die Ausgabe erhalten Sie ab sofort digital und ab Samstag am Kiosk.Alles zur »Notbremse«, oder anders gesagt: gegen die WandGesundheitsminister Spahn: »Man muss nicht auf dieses Bundesgesetz warten«Die Infektionszahlen steigen, die Intensivmedizin warnt. Jetzt hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an die Länder appelliert, härtere Regeln zu erlassen – noch bevor die Bundesnotbremse kommt.Diskussion über Ausgangssperren: Und sie wirken dochDie Bundesregierung hat die gesetzlichen Grundlagen für Ausgangssperren auf den Weg gebracht. Was bringen die Maßnahmen aus Sicht der Wissenschaft?In »allernächster Zeit:« Drosten plädiert für weitere Maßnahmen jenseits der Corona-NotbremseDas Bundeskabinett hat bundeseinheitliche Vorgaben bei bestimmten Inzidenzen beschlossen. Wegen der sich verschlechternden Situation in den Krankenhäusern verlangt Virologe Christian Drosten zusätzliche Schritte.Corona-Debatte im Bundestag: »Das Virus verzeiht kein Zögern«Erstmals debattiert der Bundestag über die von der Regierung geplante Corona-Notbremse. Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert an die Abgeordneten: »Wir dürfen Ärzte und Pfleger nicht alleinlassen.«Vorwurf der Ungleichbehandlung: Händler drohen mit Verfassungsklage gegen das InfektionsschutzgesetzHändler und Gastronomen fühlen sich beim Lockdown gegenüber anderen Branchen benachteiligt. Die geplante Corona-Notbremse der Bundesregierung nutzen sie nun zur Gegenwehr.Verfassungsrechtler zur Corona-Notbremse: »Das wird angefochten«Verfassungsrechtler begrüßen, dass der Bund im Kampf gegen Corona mehr Verantwortung übernimmt. Einige der geplanten Maßnahmen halten Experten jedoch für angreifbar, vor allem die Ausgangssperre.­­So ist die Lage in den KrankenhäusernCoronapandemie: Präsident der Intensivmediziner warnt vor »dramatischer Lage« in KrankenhäusernDie derzeit hohen Infektionszahlen werden sich laut Medizinern in spätestens zwei Wochen massiv auf die Belegung der Krankenhäuser auswirken. In manchen Ballungsgebieten seien die Betten jetzt schon knapp.SPIEGEL Daily Podcast: Intensivstationen an der Belastungsgrenze: Drei Mediziner erzählenEine Pflegerin kann sich nicht an die schwarzen Leichensäcke gewöhnen. Ein Notarzt behandelt Patienten im Rettungswagen, weil Kliniken voll sind. Eine Ärztin kämpft jeden Tag um das Leben ihrer Patienten. Hören Sie drei Protokolle aus Intensivstationen.­­­­­­Immer mehr, immer fettiger: Wie uns Corona zu Stress-Essern machtJavier Zayas Photography / Getty Images­­Covid-19 in weltweiten ZahlenBestätigte Fälle: 139.165.841Todesfälle: 2.988.238Von der Krankheit genesen: 79.254.012Deutschland: 3.099.273 bestätigte Erkrankte, 79.628 Todesfälle

Quellen: CSSE/Johns-Hopkins-Universität, Stand: 16. April 2021, 11.20 Uhr; Robert Koch-Institut, Stand: 16. April 2021, 3.09 UhrNeues aus der ForschungUV-Strahlung und Corona: Hoffnung auf das SommermärchenDer Sommer bringt Entspannung in der Pandemie hoffen viele und denken dabei neben Impfungen auch an einen Schönwettereffekt. Zu Recht? Fachleute haben berechnet, wie sehr stärkeres Sonnenlicht dabei hilft.Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson: Wie es zur Impfpause in den USA kam – und was sie bedeutetEinige Frauen in den USA haben nach der Johnson-&-Johnson-Impfung Blutgerinnsel im Hirn entwickelt. Die Probleme ähneln den in Europa nach AstraZeneca-Impfungen gemeldeten Fällen. Was bislang bekannt ist.Virologin zur Pandemiebekämpfung: »Um die Impfung von Jugendlichen kommen wir nicht herum«Die US-Wissenschaftlerin Angela Rasmussen über die Frage, wie sicher Covid-19-Impfstoffe für Kinder sein können und welche Rolle die Impfung in der Pandemiebekämpfung spielt.Faustregeln für den Alltag mit B.1.1.7: Wie Sie das Ansteckungsrisiko verringern könnenKann ich Freunde umarmen? Muss ich eine Maske im Treppenhaus tragen? Reichen die AHA+L-Regeln noch aus, seit es Mutationen des Coronavirus gibt? Experten erklären, wie man das eigene Infektionsrisiko am besten einschätzt.Mobilitätsforscher: Wie ein Weg aus der Lockdown-Spirale aussehen könnteDie Bundesregierung will künftig bei hoher Inzidenz die Lockdown-Notbremse ziehen. Der Physiker Dirk Brockmann, Mitglied der »No-Covid«-Initiative, sagt, warum er davon nichts hält – und warum er auf eine andere Strategie setzen würde.Studie zu Covid, Impfungen und Hirnthrombosen: Riskante RechnungEine Untersuchung der Universität Oxford erweckt den Eindruck, das Risiko gefährlicher Thrombosen werde durch die RNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech ähnlich erhöht wie durch AstraZeneca. Warum diese Aussage nicht haltbar ist.Neue Studien zu Coronamutante: B.1.1.7 wohl doch nicht tödlicher, aber mit höherer ViruslastZwei neue Studien weisen darauf hin, dass die in Großbritannien entdeckte Virusvariante den R-Wert erhöht. Damit hat sie erheblichen Einfluss auf das Infektionsgeschehen.Was sonst noch wichtig warCorona-Inzidenz: Wie der Impffortschritt die Statistik verzerrtImpfen bremst die Pandemie: Die Gruppe derjenigen, die sich anstecken können, wird kleiner. Gleichbleibende Inzidenzen bedeuten dann aber, dass sich das Virus unter den Ungeimpften stärker ausbreitet als zuvor.Unterschätzte Coronagefahr: »Berufsschulen sind für das Virus eine ideale Infrastruktur«Wenn Berufsschulen in den Präsenzunterricht zurückkehren, geht von ihnen eine Gefahr aus wie von kaum einer anderen Institution. Das sagt Joachim Maiß vom Verband der Berufsschullehrer. Wovor hat er Angst?Wartelistenprojekt in Potsdam: Wohin mit den Impfstoffresten?Der letzte Impfling ist gegangen, aber die Ampulle noch halb voll: Wie lassen sich Restdosen der begehrten Coronaimpfstoffe fair verteilen? Potsdam erprobt eine digitale Warteliste.Ein schönes Wochenende wünschtIhr Michail HengstenbergWas Sie über das Virus wissen müssenAlle Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Coronavirus haben wir hier für Sie zusammengestellt. Weitere aktuelle Entwicklungen finden Sie auf SPIEGEL.de.­ ­­­­­­­Diese kostenlosen Newsletter bietet DER SPIEGEL an.­Möchten Sie ändern, wie Sie diese E-Mails erhalten?
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Kazan- Kazan National Research Technical University Казанский национальный исследовательский технический университет имени А. Н. Туполева he graduated in Economics in 1982

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